Native Apps aus den App-Stores sind häufig überflüssig. Progressive Web Apps bieten in vielen Fällen die gleiche Funktionalität, sind ressourcenschonender, besser für die Privatsphäre und brauchen keinen App-Store-Zwischenschritt.
Websites lassen sich mit wenigen Gesten installieren und sind dann als PWA auf dem Homescreen verfügbar. Push-Nachrichten können so auch auf Apple Geräten empfangen werden. Richtig implementiert können Websites und PWAs auch offline funktionieren. All das geht, ohne Apps über den App-/Play-Store installieren zu müssen.
Das hat Vorteile für die Betreibenden der Websites, denn die Installation verläuft direkt auf der Website im Browser und vermindert damit die Absprungrate. Mit diesem Post möchte ich aber vor allem die Vorteile beleuchten, die sich für Nutzende von PWAs ergeben.
Nehmt zum Beispiel die YouTube-PWA. Mit ihr lässt sich YouTube-Content mit aktivem Ad-/Privacy-Blocker ansehen. Das ist ein echter Gewinn, wenn man all die Spam-Werbung nicht sehen muss. Es ist sogar möglich, anonym zu gucken, ohne große Abstriche in der UX zu machen. Kanälen und Accounts kann man einfach über Feed-Reader folgen und bleibt auf dem Laufenden, ohne Google von den eigenen Vorlieben zu viel preiszugeben.
Disclaimer: ich finde es nicht verwerflich, wenn Schaffende mit Werbung im Internet Geld verdienen. Im Gegenteil. Ich persönlich versuche jedoch, Werbung durch Ad-Blocker auszublenden, und probiere stattdessen, Schaffende anderweitig zu unterstützen. Am liebsten auf einem Weg, wo keine Mittelinstanzen überproportional viel Geld mitverdienen und meine Privatsphäre nicht durch Weitergabe von Daten kompromittiert wird.
App-Store Apps sollten vermieden werden
Verglichen mit Websites sammeln native Apps viel mehr Daten und haben deutlich mehr Zugriffsrechte auf Funktionen und Hardware der Geräte, auf denen sie installiert sind. Der Browser wirkt als Schutzschild vor unerwünschten Befugnissen, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit viele System-Schnittstellen zu nutzen, wenn Benutzende die Erlaubnis erteilen. Lest mehr im Blog Post Native Apps Should Be Avoided Whenever Possible [ENG].
Installation von Web Apps
Jede Website kann heutzutage als PWA installiert werden. Das gilt auch für Websites, die nicht aktiv darauf hinweisen. Die Installation ist auch dann denkbar einfach.



Apple spielt nicht fair
Apple ist kein großer Freund von PWAs und hatte zwischenzeitlich den Support für PWAs gänzlich eingestellt. Nur nach Druck des DMA-Teams wurden PWAs wieder unterstützt. Leider spielt Apple insgesamt nicht fair und versucht aus Profitgier PWAs möglichst kleinzuhalten. Denn bei Apps, die über den Store vertrieben werden, verdient Apple mit (30% des erzielten Ertrags), während sie bei PWAs leer ausgehen. Vorgeschoben werden Argumente bzgl. des Schutzes von Nutzenden. Dass diese scheinheilig sind, könnt ihr unten lesen oder ihr lest die Blog-Post Serie Browser Choice must matter von Alex Russell, einem der treibenden Individuen hinter PWAs und dem offenen Web im Allgemeinen.
Vorteile von Progressive Web Apps
Wie gesagt, PWA haben sowohl für Entwickelnde als auch für Benutzende große Vorteile. Hier folgen die meiner Meinung nach wichtigsten.
✅️ Individualisierte UX dank Browser-Einstellungen
PWAs übernehmen die Einstellungen des Browsers und im Browser aktivierte Plugins wirken sich auf PWAs aus. Sei es Ad-Blocking, die Möglichkeit, Zoom zu erzwingen, oder sonstige Erweiterungen für die Barrierefreiheit — das Erlebnis lässt sich den eigenen Bedürfnissen nach anpassen. Nutzende sind nicht auf die aufgezwungene UX der nativen Apps angewiesen.
Wer war nicht schon mal genervt davon, dass eine App den Zwei-Finger-Zoom unterbindet?! Safari erlaubt Zooming im Browser standardmäßig, in anderen Browsern, kann man den Zoom über die Einstellungen erzwingen.

✅️ Verbesserter Datenschutz
Legst du Wert auf Datenschutz, dann ist die PWA fast immer die bessere Wahl gegenüber den nativen Apps.
Die Privatsphäre stärkenden Eigenschaften vieler Browser (Firefox, Vivaldi, Mullvad, Brave) wirken sich auch auf die PWAs aus und vermeiden, dass Daten gesammelt oder mit Dritten geteilt werden.
Außerdem werden in Firefox-basierten Browsern die Push-Nachrichten nicht an Google-, Microsoft- oder Apple-Server gesendet. Sie nutzen stattdessen alternative Schnittstellen.
Viele Onlinedienste, für die ein Login bei der Benutzung in der nativen App nötig ist, lassen sich per PWA prima anonym nutzen und Session-Cookies können beliebig gelöscht werden.
✅️ Geringer Speicherbedarf
Richtig implementierte PWAs sparen Speicherkapazität, weil initial nur benötigte Ressourcen heruntergeladen werden. Native Apps laden zunächst hingegen mehr Daten, um sofort auch vollständig offline verfügbar zu sein.
✅️ Schnelle Installation
Während native Apps im App-Store gesucht und installiert werden müssen, können PWAs einfach über die Website installiert werden. Das spart Besuchenden extra Schritte und führt für Betreibende zu geringeren Absprungraten, wie mehrere Studien zeigen.
✅️ Keine App-Store Zensur
PWAs umgehen die Gatekeeper der App-Stores. Man könnte zwar argumentieren, dass es eine gute Sache ist, dass die Gatekeeper das mobile Ökosystem sauber halten. Aber die Geschichte zeigt, dass diese Gatekeeper hauptsächlich ihre eigenen Interessen/Profite im Sinn haben und der Schutz der Nutzenden nur als Vorwand dient.
Prominentes Beispiel, wo die Verwaltenden ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind, sind die unerträglichen Manipulationen/Sexualisierungen von Bildern teils minderjähriger Personen durch Grok auf Twitter/X.
Ein Beispiel, wo die Verwaltenden nützliche Apps aus Eigeninteresse aus ihren Stores verbannt haben, sind ICE-Warnsysteme, die Communitys vor Razzien gewarnt haben. Hier stand wohl eher die Gunst des US-Regimes im Vordergrund.
PWAs können einfach so auf den Geräten installiert werden, ohne dass jemand dazwischenfunken kann. So kommt es, dass ein ICE-Warnsystem nun als PWA zur Verfügung steht.
✅️ Für Entwickelnde interessant: Dezentrale Services brauchen kein zentrales Frontend
Ein Service, der zum Selbst-Hosten einlädt, hat häufig das Problem, dass verschiedene Instanzen des Services unterschiedliche Versionen betreiben. Will man nun eine zentrale App im App-Store anbieten, so muss diese mit allen unterstützten Versionen kompatibel sein. Das führt entweder zu hohem Aufwand oder kurzen Support-Zyklen für einzelne Versionen. PWAs umgehen dieses Problem, da jede PWA dezentral von der jeweiligen Instanz abhängt. Genau aus diesen Gründen setzt beispielsweise die kollaborative Office-Suite CryptPad auf PWAs.
Nachteile von PWAs
Um fair zu bleiben, muss ich auch die Schwächen einiger PWAs erwähnen.
❎️ Abgespeckte Version der App
Betreibende bieten teilweise nur eine abgespeckte Version ihres Services auf der Website (und damit der PWA) an. Insbesondere dann, wenn sich Betreibende Vorteile davon versprechen, dass Kunden eher die App benutzen. Vielleicht weil man sich verspricht, einen größeren Lock-in Effekt zu erzielen, oder weil man mehr Möglichkeiten bzgl. Tracking und Werbung hat.
Um die Erreichbarkeit zu erhöhen, wird dann die abgespeckte Version auf der Website angeboten, aber der volle Funktionsumfang kommt dann erst mit Installation der nativen App zur Geltung.
Manchmal steckt auch einfach fehlendes Engagement hinter der funktionsärmeren Web Version.
Es kann aber auch sein, dass die native App Funktionen nutzt, die in der PWA nicht zur Verfügung stehen. Die Webstandards sind diesbezüglich schon deutlich weiter als die Browser in der Umsetzung. PWAs bekommen im Laufe der Zeit daher immer größeres Potential und die Ausreden für Betreibende werden weniger.
❎️ Unvorsichtige Implementierung führt zu hohem Datenvolumen und Offline-Limitierung.
Wenn Websites unvorsichtig implementiert sind (und viele sind das, ich spreche da aus Erfahrung), verbrauchen sie mehr Daten als ihre nativen Gegenstücke. Caching, das bei nativen Apps häufig automatisch mitgedacht wird für die Offlineverfügbarkeit, ist bei Websites, die nicht als PWA konzipiert wurden, ggf. schlecht implementiert. Das kann zu erhöhtem Datentransfer führen.
Das (fehlende) Caching wirkt sich auch auf die Offlineverfügbarkeit von Web Apps aus. Gibt die Website keine vernünftigen Direktiven für das Caching der Ressourcen aus, so kann die PWA bei fehlender Internetverbindung schnell nicht mehr verfügbar sein.
Bietet eine Website aktiv ihre PWA an, so kann man allerdings davon ausgehen, dass das Caching ähnlich robust implementiert wurde wie in der nativen Variante.
❎️ Löschen der Browserdaten betrifft auch PWAs
Wenn Browsende die gespeicherten Daten löschen wollen, weil sich einfach viel angesammelt hat und man vielleicht unsicher ist, welche Anbieter schon Daten auf dem Gerät abgelegt haben, greifen sie gerne zum vollständigen Löschen aller Browserdaten. Das Löschen betrifft auch die PWAs. Gespeicherte Logins oder Einstellungen werden so gelöscht. Wer persistente Daten in der PWA braucht, muss also vorsichtig sein.
💡️ Kanälen anonym über Feedreader folgen
Benutzt man Plattformen wie YouTube, Reddit oder Bluesky anonym über eine PWA, so lassen sich Feedreader einsetzen, um trotzdem wichtigen Accounts und Kanälen zu folgen. Es gibt einige Online-Tools, die RSS/Atom Feed aus den Kanälen extrahieren. Die extrahierten Feeds lassen sich super in den Feedreader eurer Wahl einfügen und schon bleibt ihr auf dem Laufenden, ohne der jeweiligen Plattform mitzuteilen, welchen Kanälen ihr folgt.
💡️ Sideloading von Apps
Auf Android-basierten Betriebssystemen können Nutzende alternative App-Stores benutzen, um Apps zu installieren. F-Droid oder IzzyOnDroid bieten FOSS Apps, die häufig verantwortungsvoller mit Daten umgehen als die proprietären Apps im Play-Store.
Achtung: F-Droid und IzzyOnDroid sind aktuell gefährdet von einem stillen Google-Update, welches im September 2026 in Kraft treten soll und dann alle Android-Apps blockiert, die nicht bei Google registriert sind. Das könnte das Aus für alternative App-Store bedeuten. Google versucht das Ökosystem somit ähnlich zu verschließen, wie es Apple schon seit Ewigkeiten macht.
📑️ Nicht überzeugt? Vielleicht tun es ja Lesezeichen
Okay. Wenn du weder native Apps noch PWAs installieren möchtest, gibt es noch die Old-School-Variante. Du kannst einfach Lesezeichen setzen und die Lesezeichenliste auf dem Homescreen ablegen.

🪧️ Zusammenfassung und welche Apps ich trotzdem nutze
Progressive Web Apps bieten in den meisten Fällen den gleichen Funktionsumfang wie die nativen Gegenstücke, bieten aber größeren Schutz für die Privatsphäre, lassen sich durch den Browser auf die eigenen Bedürfnisse optimieren und umgehen willkürliche Zensur durch die Big Tech Unternehmen.
Es gibt einige Apps, die ich trotz der genannten Vorteile auf meinem Handy behalte. Immer dann, wenn ich Einstellungen lange beibehalten möchte, ohne diese in einem Account zu speichern, scheint mir die native App sinvoll. Manchmal verhindern Service-Anbieter wie oben beschrieben auch die Verwendung von PWAs. Folgende Apps habe ich aktuell über F-Droid und Aurora installiert: Comaps, AntennaPod, Nextcloud, Fossify Calendar, Breezy Weather, Thunderbird, Deezer und DB Navigator. Dabei sind mir die beiden letztgenannten ein Dorn im Auge, da sie viele Daten mit Dritten teilen. Aber beide Services verhindern eine sinnvolle Nutzung über die PWA.
Folgende PWAs habe ich aktuell installiert und kann sie empfehlen: Mastodon, Bluesky, Lemmy, YouTube, CryptPad, Squoosh (Bildoptimierung), Pairdrop (P2P-Datentransfer), Chess.com und last but not least Lichess. Einen größeren Katalog von nützlichen PWAs gibt es auf PWA.directory.
- https://progressier.com/pwa-stats (last opened: 04.06.2026) https://progressier.com/pwa-stats (last opened: 04.06.2026)
- https://open-web-advocacy.org/blog/apple-backs-off-killing-web-apps/ (last opened: 04.06.2026)
- https://mozilla-services.github.io/autopush-rs/http.html#calls (last opened: 04.06.2026)
- https://arstechnica.com/google/2026/01/apps-like-grok-are-explicitly-banned-under-googles-rules-why-is-it-still-in-the-play-store/ (last opened: 04.06.2026)
- https://www.theverge.com/news/862460/apple-google-app-stores-ditch-grok-x-open-letters (last opened: 04.06.2026)
- https://www.wired.com/story/apple-took-down-ice-tracking-apps-their-developers-arent-giving-up/ (last opened: 04.06.2026)
- https://antifreeze.app/ (last opened: 04.06.2026)
- https://docs.cryptpad.org/en/FAQ.html#are-you-planning-to-make-an-app (last opened: 04.06.2026)
- https://developer.chrome.com/docs/capabilities (last opened: 04.06.2026)
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- https://feedfinder.vercel.app/ (last opened: 04.06.2026)
- https://www.giststack.com/tools/rss-feed-finder (last opened: 04.06.2026)
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